WordPress betreibt weltweit über 40 % aller Websites – entsprechend viele Unternehmen fragen sich seit Inkrafttreten des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) im Juni 2025 ganz konkret: Wie setze ich Barrierefreiheit eigentlich in WordPress um? Die rechtlichen Grundlagen dazu habe ich bereits im Beitrag Barrierefreiheitsstärkungsgesetz: Website-Pflicht 2025 erklärt. Hier geht es um die praktische Seite: Plugins, Theme-Auswahl und typische WordPress-Stolperfallen.

Warum WordPress nicht automatisch barrierefrei ist

WordPress selbst liefert eine solide technische Basis – der Kern des CMS ist seit Jahren auf Barrierefreiheit ausgelegt. Das Problem liegt meist woanders:

  • Themes: Viele kostenlose und auch kostenpflichtige Themes kümmern sich kaum um Kontraste, Tastaturnavigation oder semantisches HTML.

  • Page-Builder: Visuelle Baukästen wie Elementor, Divi oder WPBakery erzeugen oft verschachtelten, wenig semantischen Code – optisch schön, für Screenreader teils schwer lesbar.

  • Drittanbieter-Plugins: Kontaktformulare, Slider, Buchungssysteme – jedes zusätzliche Plugin kann eigene Barrieren mitbringen, wenn der Entwickler Barrierefreiheit nicht mitgedacht hat.

Die wichtigsten Accessibility-Plugins für WordPress

Es gibt keine „Ein-Klick-Lösung", aber einige Plugins helfen bei konkreten Teilaufgaben:

  • WP Accessibility: Ergänzt fehlende Skip-Links, prüft Kontraste, entfernt gängige Barrieren in Standard-Themes und ist ein guter erster Schritt.

  • Accessibility Checker (Equalize Digital): Prüft Beiträge und Seiten direkt im WordPress-Editor auf WCAG-Verstöße, bevor sie veröffentlicht werden – besonders hilfreich für Redakteure ohne technisches Vorwissen.

  • Formular-Plugins mit Label-Unterstützung: Achten Sie bei Contact Form 7, WPForms oder Gravity Forms darauf, dass Felder mit sichtbaren oder programmatisch verknüpften Labels statt nur mit Platzhaltertext arbeiten.

  • Classic Editor / native Gutenberg-Blöcke: Kein klassisches „Accessibility-Plugin", aber ein wichtiger Hebel: Native Gutenberg-Blöcke erzeugen deutlich saubereres, semantischeres HTML als viele Page-Builder.

Vorsicht bei Overlay-Widgets

Zahlreiche Anbieter bewerben sogenannte Accessibility-Overlays – ein einzelnes Skript, das per Klick angeblich die komplette Website barrierefrei macht. In der Praxis lösen solche Overlays die zugrunde liegenden Probleme meist nicht, sondern überdecken sie mit einer zusätzlichen Bedienoberfläche. Für viele Screenreader-Nutzer werden Overlays dadurch selbst zur Barriere, und rechtlich ersetzen sie keine echte WCAG-konforme Umsetzung. Nachhaltiger ist es, die tatsächlichen Ursachen zu beheben – Kontraste, Alt-Texte, Formular-Labels, Tastaturbedienbarkeit – statt sie zu überdecken.

Theme- und Page-Builder-Auswahl

Wer eine neue WordPress-Website plant oder eine bestehende überarbeitet, sollte Barrierefreiheit bereits bei der Theme-Wahl mitdenken:

  • Themes aus dem offiziellen WordPress.org-Verzeichnis mit dem Tag „accessibility-ready" erfüllen bereits WCAG-Grundanforderungen.

  • Bei Page-Buildern lohnt ein Blick in die Dokumentation: Manche Anbieter haben in den letzten Jahren gezielt an semantischerem Output gearbeitet, andere kaum.

  • Individuell entwickelte Themes bieten die größte Kontrolle über sauberes, barrierefreies HTML – erfordern aber mehr Entwicklungsaufwand als ein Standard-Theme. Das ist einer der Gründe, warum ich bei meiner Webdesign-Leistung Barrierefreiheit von Anfang an mitdenke statt nachträglich zu reparieren.

Praktische Checkliste für WordPress-Betreiber

  • Medien-Uploader: Jedes hochgeladene Bild braucht einen aussagekräftigen Alt-Text im entsprechenden Feld – nicht nur den Dateinamen.

  • Theme-Customizer: Kontraste von Text- und Hintergrundfarben prüfen, insbesondere bei individuellen Farbschemata.

  • Menüs: Navigation per Tastatur (Tab-Taste) durchklicken und testen, ob alle Menüpunkte erreichbar sind.

  • Formulare: Fehlermeldungen müssen für Screenreader verständlich und Felder eindeutig beschriftet sein.

  • Videos: Eingebettete YouTube-Videos brauchen geprüfte, nicht nur automatisch generierte Untertitel.

  • Erklärung zur Barrierefreiheit: Als eigene Seite veröffentlichen, verlinkt z. B. im Footer-Menü.

Häufige Fragen zu BFSG und WordPress

Reicht ein Accessibility-Plugin, um BFSG-konform zu sein?

Nein. Plugins wie WP Accessibility oder der Accessibility Checker helfen bei einzelnen technischen Punkten, ersetzen aber keine vollständige Prüfung. Eine BFSG-konforme Website braucht in der Regel eine Kombination aus Theme-Anpassung, geprüften Inhalten und einer korrekten Erklärung zur Barrierefreiheit.

Sind Accessibility-Overlays eine akzeptable Lösung?

Nicht als alleinige Maßnahme. Overlays überdecken oft nur Symptome, statt die zugrunde liegenden HTML- und Kontrastprobleme zu beheben, und werden von vielen Screenreader-Nutzern selbst als Hindernis wahrgenommen. Echte Anpassungen an Theme und Inhalten sind nachhaltiger.

Welches WordPress-Theme ist von Haus aus barrierefrei?

Themes mit dem offiziellen „accessibility-ready"-Tag im WordPress.org-Verzeichnis erfüllen WCAG-Grundanforderungen. Eine Garantie für vollständige Konformität ist das allein aber nicht – individuelle Anpassungen und Inhalte müssen trotzdem geprüft werden.

Wie lange dauert die barrierefreie Umsetzung einer bestehenden WordPress-Website?

Das hängt vom Umfang der Website und den gefundenen Problemen ab. Erste kritische Punkte – Alt-Texte, Kontraste, Formular-Labels – lassen sich oft innerhalb weniger Tage beheben. Eine vollständige, geprüfte Umsetzung über die gesamte Website dauert je nach Seitenzahl typischerweise einige Wochen.

Fazit: Plugins helfen, ersetzen aber keine echte Prüfung

WordPress bietet gute Werkzeuge für den Einstieg in die Barrierefreiheit – aber kein Plugin nimmt Ihnen die vollständige Prüfung ab. Wer BFSG-Anforderungen ernst nimmt, kombiniert die passenden Plugins mit einer echten Kontrolle von Theme, Inhalten und Formularen.

Unsicher, wo Ihre WordPress-Website aktuell steht? Stellen Sie eine unverbindliche Anfrage – ich prüfe Ihre Website im Rahmen einer BFSG-Analyse auf Barrierefreiheit und zeige konkreten Handlungsbedarf.